Und dann reden wir und reden und alle haben eine Meinung: Die anderen müssen was tun. Auch das hat viel mit Kultur zu tun. Wir Menschen müssen handeln, und durch das, wie wir handeln, entsteht das Zusammenleben, das gemeinsame Leben hier auf diesem Planeten. Ein Yoga-Guru hat mal gesagt: «Wir sind geistige Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen auf der Erde.» Mir gefällt dieses Bild und es nimmt der «Meinungskonzentration» ihre Kraft. Auch die KI wird damit zurückgestellt und natürlich auch ein weiteres Mal die DespotInnen, die mit erhobenen Fäusten auf andere Menschen einschlagen.
Genau darum sind Kultur und Kunst nicht einfach reine Unterhaltung. Es ist so: In diesen Bereichen spiegelt sich das Schaffen der Menschheit – ja, natürlich nicht immer in der besten Qualität. Oft sind diese Branchen genauso korrupt und unehrlich wie eben im normalen Arbeitsalltag. Der wichtigste Unterschied ist allerdings, dass die KulturjournalistInnen dem Kulturschaffen und Kunstschaffen und «dem, was der Mensch erschafft», eine Definition geben, es beschreiben und archivierbar machen. Und so werden Kultur und Kunst erst wichtig. Ein altes Indianersprichwort, welches wahrscheinlich noch nie ein Indianer ausgesprochen hat, besagt: «Vergiss nie, woher du kommst.»
Das ist der Grund, warum Kulturzeitschriften historischen Wert haben. Und mich beängstigt, dass gerade der Kulturjournalismus langsam ausstirbt und wir das gesamte Geld der Kulturförderung (immerhin fast 3 Milliarden Steuergelder in der Schweiz pro Jahr, plus nochmals so viel von Stiftungen und privaten UnterstützerInnen) in das Vergessen investieren: Wir haben keine Ahnung, was mit dem Geld letztes Jahr aufgebaut wurde und welche «Investitionen in die Gesellschaft» wir erreicht haben. Niemand schaut zurück.
Darum mein Aufruf: abonniert eine Kulturzeitschrift, auch wenn es nicht euer Hauptinteresse ist (bei ensuite läuft grad eine Aktion!). Die Medien leben davon und sie dokumentieren einen Teil unserer gemeinsamen Geschichte. Beim «ensuite» ist das immerhin ein Vierteljahrhundert und mindestens 12’000 Artikel, die produziert wurden und damit ein riesiges historisches Archiv erschaffen haben. Unnötig zu erläutern, dass der Verlag komplett unterbezahlt, sogar mit Schulden, unterwegs ist. Wofür? Damit SchweizerInnen und die Welt nicht vergessen … Absurd, oder?
Deswegen: Ausser WIR tun es!
