Feedback zur Vernehmlassung

Die Ver­nehm­las­sung zur Vier­jah­res­pla­nung der städ­ti­schen Kul­tur­för­de­rung dau­er­te vom 11. Mai bis zum 2. Juli 2018. 252 Per­so­nen bzw. Insti­tu­tio­nen haben sich dar­an betei­ligt. Die Stel­lung­nah­men erfolg­ten per elek­tro­ni­schen Fra­ge­bo­gen (172), Brief (42) oder E‑Mail (38).

Aus­wer­tung der Ant­wor­ten auf den elek­tro­ni­schen Fra­ge­bo­gen:

-         Ins­ge­samt gab es 1066 Besu­che auf der Web­adres­se.

-         Die ers­te Ant­wort erfolg­te am 23. Mai. Am meis­ten Ant­wor­ten gin­gen in der Woche bis und mit 2. Juli ein; ein wei­te­rer Höhe­punkt war der 19. Juni.

-         Auf die ers­te Fra­ge, ob man mit der all­ge­mei­nen Aus­rich­tung der Vier­jah­res­pla­nung ein­ver­stan­den sei, ant­wor­te­ten 81% mit Ja und 19% mit Nein.

-         Auf die Fra­ge, ob man mit der geplan­ten finan­zi­el­len Ent­wick­lung der Kul­tur­för­der­gel­der ein­ver­stan­den sei, ant­wor­te­ten 67% mit Ja und 33% mit Nein – die meis­ten davon ver­lang­ten ein grös­se­res Wachs­tum. Ins­ge­samt spra­chen sich ledig­lich 3% für ein tie­fe­res Wachs­tum als vor­ge­schla­gen aus.


Zusam­men­set­zung der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer:

Es haben teil­ge­nom­men:

-         163 Ein­zel­per­so­nen

-         50 Insti­tu­tio­nen, meist Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen

-         27 Ver­bän­de, Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen, Fach­stel­len

-         9 poli­ti­sche Par­tei­en

-         sowie Kan­ton, Regio­nal­kon­fe­renz Bern-Mit­tel­land Fach­be­reich Kul­tur und Bur­ger­ge­mein­de Bern

Bei den Stel­lung­nah­men han­delt es sich um:

-         61 all­ge­mei­ne Stel­lung­nah­men

-         166 mono­the­ma­ti­sche Stel­lung­nah­men, davon 101 zur Sub­ven­ti­ons­hö­he des Licht­spiels

-         25 von Insti­tu­tio­nen zu sich selbst

Der Stadt­prä­si­dent dankt allen Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern für ihre wert­vol­len Bei­trä­ge. Eine inhalt­li­che, das heisst ver­tief­te Aus­wer­tung der Stel­lung­nah­men wird bis Ende August erfol­gen. Die über­ar­bei­te­te Vier­jah­res­pla­nung «Städ­ti­sche Kul­tur­för­de­rung – Schwer­punk­te und Mit­tel­ver­wen­dung der Prä­si­di­al­di­rek­ti­on 2020–2023» wird Ende Jahr dem Gemein­de­rat, anschlies­send dem Stadt­rat vor­ge­legt wer­den.

Statement ArchivArte

Von Annet­te Jac­card, Vor­stands­mit­glied:

Die Nach­lass­in­sti­tu­ti­on Archi­vAr­te schlägt für die bevor­ste­hen­de För­de­rungs­pe­ri­ode vor, die Pfle­ge und Erhal­tung von städ­ti­schem Kul­tur­er­be, ins­be­son­de­re von Nach­lass­in­sti­tu­tio­nen in der Kul­tur­bot­schaft zu ver­an­kern und dafür finan­zi­el­le Mit­tel in Form von insti­tu­tio­nel­ler För­de­rung (Vier­jah­res­ver­trä­ge) bereit­zu­stel­len. Denn für die Siche­rung und Bewah­rung von städ­ti­schem Kul­tur­gut sind lang­fris­tig plan­ba­re, finan­zi­el­le Mit­tel unab­ding­bar. Die Stadt kann mit der Ver­an­ke­rung die­ses drän­gen­den kul­tur­po­li­ti­schen The­mas in ihrer Kul­tur­bot­schaft Stel­lung bezie­hen und ein Zei­chen set­zen.

Die Bedeu­tung von Archi­vAr­te für die Stadt Bern zeigt sich auf ver­schie­de­nen Ebe­nen:

  • Die Insti­tu­ti­on wur­de ursprüng­lich expli­zit für die Bewah­rung von Nach­läs­sen von Frau­en gegrün­det (dies­be­züg­li­che Sta­tu­ten­än­de­rung 2017). Sie bewahrt somit bedeu­ten­des Ber­ner Kul­tur­gut ins­be­son­de­re von Künst­le­rin­nen und betreut es kunst­his­to­risch rele­vant. Sie erhält Kern­be­stän­de als Zeit­zeu­gen.
  • Sie steht als Doku­men­ta­ti­ons­stel­le der For­schung und Inter­es­sier­ten zur Ver­fü­gung.
  • Sie betreibt eine eige­ne Gale­rie, in der sie Nach­läs­se zeigt.
  • Sie stellt Nach­läs­se in kunst­his­to­ri­sche Zusam­men­hän­ge: Sie beher­bergt unter ande­rem meh­re­re Nach­läs­se von Künst­le­rin­nen der berühm­ten Mal­schu­le Max von Mühle­nen, die im Korn­haus Bern unter­ge­bracht war; sie betreut den Nach­lass Mil­li Jäg­gi, den ihr die Stadt als Nach­lass­neh­me­rin über­ge­ben hat, und sie ver­fügt bei­spiels­wei­se über einen Brief­wech­sel zwi­schen Elsa Stauf­fer und Mar­tha Stett­ler, die der­zeit im Kunst­mu­se­um Bern aus­ge­stellt wird.
  • Archi­vAr­te fei­ert die­ses Jahr ihr 20-jäh­ri­ges Bestehen und ist eine der ältes­ten und erfah­rens­ten Nach­lass­in­sti­tu­tio­nen der Schweiz. Die Nach­fra­ge für die Auf­nah­me von Nach­läs­sen steigt stän­dig. Dies bedingt zusätz­li­chen Raum und mehr Auf­wand. Um die Auf­ga­be zukünf­tig pro­fes­sio­nell und nach kunst­his­to­ri­schen Grund­sät­zen leis­ten zu kön­nen, ist Archi­vAr­te auf Unter­stüt­zung Drit­ter – ins­be­son­de­re der öffent­li­chen Hand – ange­wie­sen und wür­de es daher sehr begrüs­sen, von Vier­jah­res­ver­trä­gen pro­fi­tie­ren zu kön­nen.

Statement der Grün alternativen Partei

Von Luzi­us Thei­ler, Grün alter­na­ti­ven Par­tei

Punkt 5

Es gibt kei­ne Trans­pa­renz bezüg­lich Mie­ten. Wie viel der soge­nann­te Kul­tur Sub­ven­tio­nen ent­fal­len auf Mie­te und Neben­kos­ten­zah­lun­gen an die Stadt. Das ergibt nach außen ein fal­sches Bild die Ikur z.b. zahlt mehr an die Stadt als sie Sub­ven­tio­nen erhält der Bei­trag an das Tojo Thea­ter mit 140 Vor­stel­lun­gen pro Jahr ist im Ver­hält­nis zu den Bei­trä­gen an die Dampf­zen­tra­le und das Schlacht­haus zu gering auch es besteht nach wie vor ein Miss­ver­hält­nis zwi­schen der direk­ten För­de­rung und den Bei­trä­gen an die gro­ßen Insti­tu­tio­nen.

Punkt 6

Die Bei­trä­ge spe­zi­ell für die bil­den­de Kunst rei­chen oft nicht zum Leben und zum Ster­ben. In den bewil­lig­ten Bud­gets ist meist die Arbeits­zeit nicht ein­ge­rech­net die Selbst­aus­beu­tung ist nicht akzep­ta­bel. Spe­zi­ell für die Kunst­kom­mis­si­on bil­den­de Kunst muss das Bud­get erhöht wer­den um die For­de­rung nach bes­se­ren Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen zu erfül­len. Vor­aus­set­zung für die Kul­tur­pro­duk­ti­on einen sind zudem genü­gend Übungs­räu­me und Ate­liers. Die­se soll­ten durch die Spar­ten­kom­mis­sio­nen  ver­mit­telt wer­den

Links: Vernehmlassung und Formular

Mit die­ser Ver­nehm­las­sung kön­nen alle Par­tei­en, alle Kul­tur- und Kunst­schaf­fen­den, Ver­ei­ne, Insti­tu­tio­nen, ihren Teil bei­steu­ern und mit­ge­stal­ten! Hier könnt Ihr die Unter­la­gen und den Fra­ge­bo­gen runterladen/anklicken. Die sind auf der Web­sei­te www.bern.ch kaum auf­find­bar (Fra­ge­bo­gen?) …

Lasst uns die­se Gele­gen­heit unbe­dingt nut­zen!

Ihr habt bis zum 2. JULI 2018 Zeit, Eure Mei­nung ein­zu­ge­ben. Füllt dazu die­sen Fra­ge­bo­gen aus:

Fra­ge­bo­gen: https://www.survio.com/survey/d/G1U6M6C5O5L8H4I9L

Die Ver­nehm­las­sungs­vor­la­ge kann hier nach­ge­le­sen wer­den: http://www.bern.ch/mediencenter/medienmitteilungen/aktuell_ptk/vernehmlassung-zur-vierjahresplanung-der-kulturfoerderung/dokument/vernehmlassungsvorlage-stadtische-kulturforderung.pdf/download

Kunstkommission Bern

Stel­lung­nah­me zu Punkt 4 des Ver­nehm­las­sungs­fra­ge­bo­gens: Vier­jah­res­pla­nung 2020–2023 der städ­ti­schen Kul­tur­för­de­rung
Zweck­bin­dung und Höhe der ein­zel­nen Bud­gets der direk­ten För­de­rung.

Kunst­kom­mis­si­on:

Wir for­dern CHF 532’500.– für die Kunst­kom­mis­si­on.  Die­se setz­ten sich zusam­men aus: CHF 317’500.– freie Kunst­för­de­rung (80’000.– bis­her plus 237’500.– inkl. Arbeit); CHF 100’000.– Off-Spaces; CHF 60’000.– Stadt­ga­le­rie; CHF 25’000.– BONE; 30’000.– Kunst­an­kauf

Wir wol­len eine akti­ve und leben­di­ge Kunst­sze­ne in Bern, die von der Stadt geschätzt und finan­zi­ell ange­mes­sen berück­sich­tigt wird.

Begrün­dung:

Die frei­en Mit­tel für die Kunst­kom­mis­si­on wer­den von CHF 200’000.– auf CHF 225’000.– erhöht. In Anbe­tracht der a) zu leis­ten­den Auf­ga­ben die­ser Kom­mis­si­on, b) des effek­ti­ven Bedarfs der bil­den­den Kunst, c) der For­de­rung an den Sze­ne­ge­sprä­chen und d) im Ver­gleich zur Etat­er­hö­hung ist die­ser Betrag aller­dings erheb­lich zu tief und e) ver­passt eine über­fäl­li­ge Anpas­sung.

  1. Die als freie Mit­tel klas­sier­ten Gel­der der Kunst­kom­mis­si­on sind effek­tiv nur mit Ein­schrän­kung frei ver­füg­bar. Von den CHF 200’000.– flies­sen im Moment CHF 60’000.– an die Pro­duk­ti­ons­kos­ten der Stadt­ga­le­rie, CHF 20’000.– sind für alter­na­ti­ve Kunst­räu­me, Off-spaces und Artist-run-spaces reser­viert und unge­fähr CHF 18’000.– fliesst als Unter­stüt­zung an das gröss­te nicht-insti­tu­tio­nel­le von der Kunst­kom­mis­si­on mit­fi­nan­zier­te Pro­jekt BONE, sowie noch­mals unge­fähr die­ser Betrag an Kunst­an­kauf durch die Stadt. Die Kom­mis­si­on ver­fügt also nur über knapp CHF 80’000.– um Kunst­schaf­fen­de, deren Wer­ke und Aus­stel­lun­gen lokal wie auch natio­nal zu unter­stüt­zen. Nur eine Aus­wahl der Gesu­che wer­den unter­stützt. Dabei han­delt es sich meist um auf­wän­di­ge Aus­stel­lun­gen und Gross­pro­jek­te, die Wochen­lan­ge Pla­nung, Recher­che, Auf­bau und Koor­di­na­ti­on beinhal­ten, die mit grös­se­ren Pro­duk­tio­nen ande­rer Spar­ten ver­gleich­bar sind. In Anbe­tracht der Anzahl Kunst­schaf­fen­den, Aus­stel­lun­gen, Initia­ti­ven und Pro­jek­te kann die­ser Betrag nur ansatz­wei­se Kunst­schaf­fen unterstützen.Mit CHF 200’000.– sind die Kunst­kom­mis­si­on und die Lite­ra­tur­kom­mis­si­on im Ver­gleich zur Musik (CHF 615’000.–) und dem Theater/Tanz (CHF 1’000’000.–) finan­zi­ell gering aus­ge­stat­tet.
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  2. Zur Zeit ver­an­stal­ten 10–15 Off-Spaces und Initia­ti­ven ein reich­hal­ti­ges und auf­wän­di­ges Aus­stel­lungs­pro­gramm mit einer Viel­zahl an loka­len bis inter­na­tio­na­len Kunst­schaf­fen­den. Die­se Pro­jek­te sind nicht kom­mer­zi­ell aber befin­den sich viel­fach in einer sehr pre­kä­ren finan­zi­el­len Situa­ti­on. Das die­sen Pro­jek­ten zuflies­sen­de Geld (CHF 20’000.–) reicht nicht aus, um Rei­sen, Trans­port­kos­ten, Mate­ri­al und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­auf­wän­de zu bezah­len. Die Arbeit der Kunst­schaf­fen­den, die nicht sel­ten ver­gäng­li­che, nicht ver­kauf­ba­re Pro­jek­te umset­zen, als auch der Betrei­be­rin­nen und Betrei­ber ist weit­ge­hend unbe­zahlt, was län­ger­fris­tig finan­zi­ell nicht trag­bar ist. Ein­ma­lig wur­de der Betrag 2018 von CHF 20’000.– auf CHF 70’000.– erhöht. Selbst die­ser Betrag deckt längst nicht alle Kos­ten. Den Off-Spaces, die durch zusätz­li­che Gesu­che bei Stif­tun­gen und Kan­ton den För­der­un­ter­stüt­zung mul­ti­pli­zie­ren, muss kon­stant ein Betrag von CHF 100’000.– zukom­men. Die beschrie­be­ne Situa­ti­on der Off-Spaces steht exem­pla­risch für alle Berei­che in den bil­den­den Küns­ten.
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  3. In den Sze­ne­ge­sprä­chen wur­de eine Erhö­hung des frei­en Bud­gets der Kom­mis­si­on (exklu­si­ve des Betrags Stadt­ga­le­rie, Off-Space, BONE und Kunst­an­kauf) auf CHF 300’000.– gefor­dert. Rund 30–35 grös­se­re Pro­jek­te und Aus­stel­lun­gen wer­den jähr­lich durch die Kunst­kom­mis­si­on geför­dert mit Beträ­gen, die das Mate­ri­al knapp decken. Durch­schnitt­lich arbei­ten 1–2 Per­so­nen wäh­rend 2–4 Wochen an die­sen Pro­jek­ten. Wird die­se Zeit berech­net und ana­log der Pra­xis im Thea­ter mit einer Wochen­pau­scha­le von CHF 1’250.– ver­gü­tet[1], dann gibt das eine zusätz­li­che For­de­rung von CHF 237’500.– (30–35 Pro­jek­te x 1–2 Per­so­nen x 2–4 Arbeits­wo­chen x CHF 1’250.– Wochen­pau­scha­le). Dazu kom­men die bis­he­ri­gen Mate­ri­al­bei­trä­ge von rund CHF 80’000.– (vgl. effek­ti­ve freie Mit­tel).[2]
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  4. Die Fest­le­gung der Beträ­ge für die fol­gen­de Peri­ode stützt sich einer­seits auf die vor­an­ge­hen­den För­der­be­trä­ge und ande­rer­seits auf das Total der in den Gesu­chen gefor­der­ten Beträ­ge im Jahr 2017. Die­se Pra­xis hat in der bil­den­den Kunst zwei grund­sätz­li­che his­to­ri­sche und struk­tu­rel­le Pro­ble­me: 1. Die För­de­rung in der bil­den­den Kunst ging lan­ge davon aus, dass der Künstlerin/dem Künst­ler am Ende ein Werk zur Ver­fü­gung steht, das ver­kauft die Kos­ten für Auf­wand und Arbeit deckt. Mehr und mehr hat sich eine künst­le­ri­sche Pra­xis von einem ver­markt­ba­ren Pro­dukt ent­fernt in Rich­tung pro­zess­ori­en­tier­ter, ephe­me­rer, recher­chen­ba­sier­ter, expe­ri­men­tel­ler, orts­spe­zi­fi­scher Kunst.[3] Sel­ten lässt sich die­se Kunst ver­kau­fen, kaum je deckt es die gesam­ten Auf­wän­de. Der unge­deck­te Betrag wird durch ande­re Jobs quer­sub­ven­tio­niert oder ist Selbst­aus­beu­tung der/des Kunst­schaf­fen­den. 2. Die Pra­xis fast aus­schliess­lich für Mate­ri­al­auf­wand nicht aber für Arbeit ein Gesuch zu stel­len, wur­de über vie­le Jah­re durch die Kunst­för­de­rung in ihrer Bei­trags­hö­he bestä­tigt, die nur Kleinst­be­trä­ge sprach bzw. eben spre­chen konn­te. So hat sich die Gesuchs­hö­he auf die­sem viel zu tie­fen Niveau ein­ge­pen­delt und hat zu die­ser dop­pel­ten Benach­tei­li­gung geführt. Das Ein­zel­un­ter­neh­mer­tum Kunst hat mit Vis­ar­te zudem eine sehr schwa­che Inter­es­sens­ver­tre­tung, die sich kei­ne kol­lek­ti­ve Stim­me (mehr) gewohnt ist.
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  5. Ver­gleicht man bei­spiels­wei­se im Refe­renz­jahr 2016 die total gefor­der­ten Bei­trä­ge an die Kom­mis­si­on pro­zen­tu­al mit den zuge­spro­che­nen Beträ­gen wird ersicht­lich, dass in der neu­en Ver­nehm­las­sung eine not­wen­di­ge Kor­rek­tur ver­passt wur­de. In der Kunst wur­den 42% der total gefor­der­ten Beträ­ge gespro­chen, im Thea­ter 46%, in der Musik 49% und in der Lite­ra­tur 60%.[4]

 

Die Abwan­de­rung zahl­rei­cher Kunst­schaf­fen­der nach Zürich oder Basel ist nicht zuletzt eine Fol­ge aus die­sen finan­zi­ell schwie­ri­gen Umstän­den. Die För­de­rung durch die Stadt ist die wich­tigs­te und bedeu­tends­te För­de­rung für die Bil­den­de Kunst in Bern. Jetzt besteht die Mög­lich­keit und Dring­lich­keit, die stos­sen­de Benach­tei­li­gung zu kor­ri­gie­ren. Es ist an der Zeit end­lich eine über­fäl­li­ge Kor­rek­tur wahr­zu­neh­men. Die Kom­mis­si­on Kunst muss deut­lich mehr Mit­tel zur Ver­fü­gung haben, bevor neue gros­se Finan­zie­rungs­töp­fe geschaf­fen ober bestehen­de zusätz­lich ali­men­tiert wer­den, die aus­ser­halb von Kom­mis­sio­nen geführt wer­den (vgl. Neu: Pro­mo­ti­on und Dis­tri­bu­ti­on plus CHF 150’000.–; Infra­struk­tu­ren Alt­stadt plus CHF 100’000.–; Ate­liers und Infra­struk­tu­ren plus 221’000.–; oder Aus­ser­or­dent­li­che Bei­trä­ge plus 155’000.–)

Des­halb for­dern wir CHF 532’500.– für die Kunst­kom­mis­si­on. Die­se setz­ten sich zusam­men aus: CHF 317’500.– freie Kunst­för­de­rung (80’000.– bis­her plus 237’500.– inkl. Arbeit); CHF 100’000.– Off-Spaces; CHF 60’000.– Stadt­ga­le­rie; CHF 25’000.– BONE; 30’000.– Kunst­an­kauf)

Wir wol­len eine akti­ve und leben­di­ge Kunst­sze­ne in Bern, die von der Stadt geschätzt und finan­zi­ell ange­mes­sen berück­sich­tigt wird.

 

Herz­li­chen Dank!

Franz Krä­hen­bühl

 

[1] Oder mit dem bran­chen­üb­li­chen Ansatz nach Vis­ar­te CHF 60.–/h

[2] Im Vor­wort des Stadt­prä­si­den­ten (S. 2) wird gefor­dert, dass die Arbeit der pro­fes­sio­nel­len Kunst­schaf­fen­den bes­ser aner­kannt wer­den soll, fai­re Arbeits­be­din­gun­gen gel­ten und För­der­bei­trä­ge bran­chen­üb­li­chen Gagen ent­spre­chen sol­len.

[3] Die­se Erwei­te­rung des Kunst­be­griffs wur­de in Sze­nen­ge­sprä­chen the­ma­ti­siert und in der Ver­nehm­las­sung auf­ge­nom­men vgl. S. 5 «…wur­de der Kul­tur­be­griff gewei­tet und die För­de­rung ver­mehrt auf die heu­ti­gen Anfor­de­run­gen aus­ge­rich­tet». Wei­ter will die Kul­tur­för­de­rung «neue Arten von Kul­tur unter­stüt­zen, ver­mehrt gemein­sam, spon­tan pro­du­zier­te Kul­tur ermög­li­chen..» (S. 8).

[4] Vgl. Tätig­keits­be­reicht 2016, Abtei­lung Kul­tur Stadt Bern, S. 12.

BAKUB – Verein Basis Kunst und Bau

Die Moti­on «Kunst am Bau» mit Ver­nunft von Lars Gug­gis­berg wur­de im Gros­sen Rat des Kan­tons Bern behan­delt. Punkt 1 der Moti­on, wel­cher eine Fest­le­gung der Mit­tel auf 0.25% der Bau­kos­ten und eine Pla­fo­nie­rung auf 120 000 Fran­ken ver­langt, wur­de als Pos­tu­lat über­wie­sen (95 Ja, 55 Nein, 2 Ent­hal­tun­gen). Punkt 2 der Moti­on, wel­cher den Trans­fer von der Bau‑, Ver­kehrs- und Ener­gie­di­rek­ti­on (BVE) zur Erzie­hungs­di­rek­ti­on (ERZ) ver­langt, wur­de abge­lehnt (44 Ja, 101 Nein, 4 Ent­hal­tun­gen). Es wird nun über­prüft, in wel­cher Wei­se künf­ti­ge Mit­tel ein­ge­spart wer­den kön­nen. Kunst und Bau, als gestal­te­ri­scher Mehr­wert bei öffent­li­chen kan­to­na­len Bau­ten, wird nach der Geset­zes­än­de­rung von 2012 nun schon wie­der stark unter Druck gera­ten. Kunst als freie Äus­se­rung und Stel­lung­nah­me geför­dert mit öffent­li­chen Mit­teln ist beim Kan­ton Bern zuneh­mend uner­wünscht.

Die Stadt Bern (und alle Gemein­den im Kan­ton Bern) müs­sen nun ihre Akti­vi­tä­ten im Bereich Kunst und Bau inten­si­vie­ren, soll die Wert­schät­zung die­ser Tra­di­ti­on erhal­ten blei­ben. Es wäre wün­schens­wert, nicht nur bei öffent­li­chen Bau­ten, son­dern auch bei Wohn­bau­pro­jek­ten und städ­te­bau­li­chen Ent­wick­lun­gen sys­te­ma­tisch Kunst und Bau oder Kunst im öffent­li­chen Raum zu rea­li­sie­ren. Es ist nicht nach­zu­voll­zie­hen, wes­halb die Kunst bei städ­te­bau­li­chen Brenn­punk­ten abseits steht. Hier besteht Hand­lungs­be­darf. Aus­ser­dem muss zur Stei­ge­rung der Wert­schät­zung von Kunst und Bau end­lich im Bereich der öffent­li­chen Ver­mitt­lung mehr geleis­tet wer­den.

Neben den Bau­äm­tern soll hier­zu Kul­tur Stadt Bern einen finan­zi­el­len Bei­trag von min­des­tens 5 000 Fran­ken pro Pro­jekt leis­ten.

Günther Ketterer/ Präsident der ART-Nachlassstiftung

«Hier­mit mer­ken wir an, dass sich in der Ver­nehm­las­sungs­vor­la­ge zur Vier­jah­res­pla­nung 2020–2023 der städ­ti­schen Kul­tur­för­de­rung vom 9. Mai 2018 kein För­der­kre­dit und kei­ne Insti­tu­ti­on mit dem Nach­lass von Kunst­schaf­fen­den befasst. Wir möch­ten, dass die­ser kul­tur­po­li­ti­sche Auf­trag auf­ge­nom­men wird mit der Art-Nach­lass­stif­tung in einem Jah­res­bud­get von CHF 100’000 um die pro­fes­sio­nel­le Betreu­ung, Pfle­ge und Bewah­rung von Kunst­nach­läs­sen ver­stor­be­ner Künst­le­rin­nen und Künst­ler sicher­zu­stel­len sowie um damit qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Werk-Nach­läs­se der Öffent­lich­keit bzw. bei deren Ver­mitt­lung an die Bevöl­ke­rung wie­der zugäng­lich machen.»